Symphysenschmerzen in der Schwangerschaft treffen viele Frauen unvorbereitet: Ein stechender Schmerz vorne am Schambein beim Aufstehen, beim Treppensteigen oder beim Umdrehen im Bett, manchmal mit einem Gefühl, als würde das Becken «auseinandergehen». Die gute Nachricht: Die Beschwerden sind in den allermeisten Fällen harmlos für Sie und Ihr Kind, und sie lassen sich gut behandeln. In unserer Praxis in Zürich Wipkingen begleiten wir Schwangere mit Beckenschmerzen mit sanfter manueller Therapie, Stabilisationsübungen und praktischen Tipps für den Alltag.
Was ist die Symphyse und warum schmerzt sie in der Schwangerschaft?
Die Symphyse ist die knorpelige Verbindung der beiden Beckenhälften vorne am Schambein. Normalerweise ist sie fest und kaum beweglich. In der Schwangerschaft lockert das Hormon Relaxin die Bänder im ganzen Becken, damit es bei der Geburt nachgeben kann. Gleichzeitig verschiebt sich mit dem wachsenden Bauch der Schwerpunkt nach vorne, die Beckenstellung verändert sich und die Muskeln rund um Becken und Hüfte müssen mehr Haltearbeit leisten. Wird die Symphyse dabei ungleichmässig belastet, reagiert sie mit Schmerz. Man spricht auch von Symphysenlockerung oder, wenn auch die Gelenke hinten am Becken mitbetroffen sind, von Beckengürtelschmerz.
Begünstigt wird das durch frühere Rückenschmerzen, eine vorherige Schwangerschaft mit Beckenbeschwerden, viel Stehen oder Heben im Alltag und einseitige Belastungen, zum Beispiel ein Kleinkind immer auf derselben Hüfte zu tragen.
Typische Symptome
- Stechender oder brennender Schmerz vorne am Schambein, manchmal in die Leisten oder Innenseiten der Oberschenkel ausstrahlend
- Schmerzen beim Gehen, Treppensteigen, Umdrehen im Bett, Aufstehen aus dem Auto oder beim Stehen auf einem Bein, etwa beim Anziehen der Hose
- Ein watschelnder Gang, weil grosse Schritte wehtun
- Knacken oder Klicken im Beckenbereich bei Bewegung
- Oft gleichzeitig Schmerzen hinten am Becken oder im unteren Rücken
Die Beschwerden beginnen meist im zweiten oder dritten Trimester und können bis zur Geburt zunehmen, wenn nichts dagegen unternommen wird. Nach der Geburt bilden sie sich in der Regel innerhalb weniger Wochen zurück.
Was Sie selbst tun können
- Beine zusammen: Beim Aussteigen aus dem Auto und beim Umdrehen im Bett die Knie geschlossen halten und das Becken als Einheit drehen. Ein Kissen zwischen den Knien in der Seitenlage entlastet die Symphyse nachts.
- Kleine Schritte, symmetrisch belasten: Treppen Stufe für Stufe nehmen, beidseitig abstützen, Lasten auf beide Hände verteilen.
- Im Sitzen anziehen: Hose, Socken und Schuhe im Sitzen an- und ausziehen, statt auf einem Bein zu stehen.
- Belastung dosieren: Langes Stehen, schweres Heben und Spreizbewegungen vermeiden. Schwimmen mit Brustbeinschlag belastet die Symphyse, Rückenschwimmen oder Kraulbeine sind angenehmer.
- Beckengurt: Ein elastischer Schwangerschafts- oder Beckengurt kann im Alltag spürbar entlasten. Wir zeigen Ihnen, wie er richtig sitzt.
- Bewegung statt Schonung: Leichte, symmetrische Aktivität wie Spazieren in kurzen Etappen oder sanfte Übungen auf dem Rücken oder in Seitenlage halten die Muskulatur aktiv und verbessern die Stabilität.
Wann sollten Sie zum Arzt oder zur Hebamme?
Sprechen Sie Ihre Gynäkologin, Ihren Gynäkologen oder Ihre Hebamme an, wenn die Schmerzen so stark sind, dass Gehen oder Treppensteigen kaum mehr möglich ist, wenn sie trotz Entlastung über zwei Wochen zunehmen, wenn Fieber, Blutungen, Ausfluss oder Schmerzen beim Wasserlassen dazukommen oder wenn Taubheit oder Schwäche in den Beinen auftritt. Für die Physiotherapie bei Symphysenschmerzen stellt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine Verordnung aus.
So behandeln wir Symphysenschmerzen in der Physiotherapie
Zuerst untersuchen wir Becken, Hüften, Lendenwirbelsäule und Ihre Bewegungsmuster im Alltag. Dann stellen wir die Behandlung auf Sie und Ihre Schwangerschaftswoche ab:
- Sanfte manuelle Therapie: Wir gleichen die Stellung der Beckenhälften aus und mobilisieren die Gelenke hinten am Becken (ISG) und die Hüften, damit die Symphyse nicht mehr ungleichmässig gezogen wird. Mehr dazu auf unserer Seite Manuelle Therapie und im Beitrag zum ISG-Syndrom.
- Stabilisationsübungen: Gezielte, schwangerschaftstaugliche Übungen für die tiefe Bauch-, Hüft- und Gesässmuskulatur geben dem gelockerten Becken wieder Halt. Sie sind kurz, alltagstauglich und werden mit dem wachsenden Bauch angepasst.
- Entspannung verspannter Muskeln: Die Adduktoren an der Oberschenkelinnenseite und die Hüftbeuger reagieren auf Symphysenschmerzen oft mit Schutzspannung. Wir lösen sie mit Weichteiltechniken und Dehnung.
- Tape und Beckengurt: Ein elastisches Tape oder ein korrekt angelegter Beckengurt unterstützt die Stabilität zwischen den Behandlungen.
- Alltagstraining: Aufstehen, Umdrehen, Treppen, Tragen: Wir üben die Bewegungen mit Ihnen, bei denen es im Alltag am meisten wehtut.
Schwangerschaft bringt oft mehrere Beschwerden gleichzeitig mit sich. Haben Sie zusätzlich Schmerzen im unteren Rücken, lesen Sie unseren Beitrag Rückenschmerzen in der Schwangerschaft; bei geschwollenen Beinen hilft die Lymphdrainage in der Schwangerschaft.
Mit einer ärztlichen Verordnung rechnen wir die Behandlung direkt mit Ihrer Krankenkasse ab. Eine Behandlung auf eigene Rechnung ist ebenfalls möglich.
Häufige Fragen zu Symphysenschmerzen
Sind Symphysenschmerzen gefährlich für mein Kind?
Nein. Die Lockerung der Symphyse ist ein normaler Vorgang der Schwangerschaft und betrifft nur Ihr Becken, nicht das Kind. Sie beeinträchtigt eine natürliche Geburt in der Regel nicht. Besprechen Sie starke Beschwerden trotzdem mit Ihrer Gynäkologin oder Hebamme.
Ab wann kann ich zur Physiotherapie?
Sobald die Schmerzen den Alltag einschränken. Je früher die Belastung angepasst und die Stabilität trainiert wird, desto weniger verstärken sich die Beschwerden bis zur Geburt.
Gehen die Schmerzen nach der Geburt weg?
Meist ja, innerhalb von einigen Wochen, wenn sich der Hormonhaushalt normalisiert und die Bänder wieder fester werden. Bleiben die Schmerzen nach der Geburt bestehen, lohnt sich eine weitere physiotherapeutische Behandlung, um Becken und Rumpf wieder zu stabilisieren.
Darf ich mit Symphysenschmerzen Sport machen?
Symmetrische, gelenkschonende Bewegung wie Rückenschwimmen, Hometrainer mit niedrigem Widerstand oder Spaziergänge in kurzen Etappen tut gut. Spreizbewegungen, Joggen und Sprünge sollten Sie weglassen, solange die Symphyse schmerzt.
Beckenschmerzen in der Schwangerschaft? Wir sind für Sie da
Wenn jeder Schritt am Schambein zieht, buchen Sie online einen Termin oder rufen Sie uns an unter 044 585 99 49. Physio Waidfuss, Hönggerstrasse 118, 8037 Zürich Wipkingen, mit dem Tram gut erreichbar aus Höngg und dem ganzen Kreis 10.
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